Jan Hus
Die Hussitenkriege
Jan Hus ist eine der legendären Gestalten der tschechischen Geschichte. Sein Todestag, der 6. Juli 1415 wird heute als nationaler Gedenktag begangen.
Jan Hus wurde 1371 im südböhmischen Husinec geboren. Er studierte an der Karls-Universität und wurde 1398 zum ordentlichen Professor ernannt. Im Jahre 1400 wurde er zum Priester geweiht und 1409 zum ersten tschechischen Rektor der Karls-Universität berufen.
Früh widmete er sich schon den Werken des englischen Theologen und Reformators John Wyclif. Dieser hatte als erster die Berechtigung der Kirche, als weltliche Macht aufzutreten, in Zweifel gestellt und die Rückgabe ihrer Besitztümer gefordert. Jan Hus nahm diese Ideen zur kirchlichen Reform auf und verband sie mit tschechischem Nationalstreben. Er hielt seine Predigten meist in tschechischer Sprache und schrieb manche Texte an die Wände der Kapelle. Er übersetzte auch Kirchenlieder ins Tschechische und ermöglichte so vielen Gläubigen die aktive Teilnahme am Gottesdienst. Damit wandte sicher Hus gegen den Einfluss der Deutschen.
Die Ablehnung von kirchlichem Güterbesitz, überhaupt der Verweltlichung der Geistlichkeit und der Klöster, traf die Kirchenfürsten ins Herz. Im Volk hingegen stiessen diese Gedanken, die auch als Ablehnung der sozialen Ausbeutung durch die katholische Geistlichkeit zu verstehen waren, auf breiteste Zustimmung. Auch beim Adel, der Interesse am Kirchenbesitz hatte, gab es Beifall. Mit der harten Kritik an der katholischen Kirche zog sich Jan Hus die Feindschaft des hohen Klerus zu. Die Kirche untersage ihm 1411 die Ausübung des Priesteramts.
So verliess Jan Hus Prag und predigte auf dem Lande. Im Frühjahr 1414 forderte der deutsche König Sigismund Hus auf, sich vor dem Konzil von Konstanz zu rechtfertigen. Hus wurde der Ketzerei beschuldigt, lehnte es jedoch ab, seine Lehre zu widerrufen. Am 6. Juli 1415 starb er in Konstanz unter langen Qualen auf dem Scheiterhaufen für seine Überzeugung.
Die hussitische Revolution
Nach der Verbrennung von Jan Hus als Ketzer 1415 in Konstanz entwickelte sich in den böhmischen Ländern die Bewegung der Hussiten, eine kirchenreformerische bzw. -revolutionäre Bewegung. Gemeinsames religiöses Symbol war der "Laienkelch" als Zeichen der Darreichung des Abendmahlweines nicht nur an die Priesterschaft, sondern auch an die Laien.
Was als ein innerkirchlicher Reformversuch begonnen hatte, weitete sich zu einer politischen Protestbewegung gegen das Königtum, die katholische Kirche und die Vorherrschaft der Deutschen in Böhmen aus.
Die Hussitenkriege (1419 - 1435)
Als Wenzel IV. 1419 starb, trat der deutsche König Sigismund dessen Nachfolge als König von Böhmen an. Wegen seines "Mordes" an Hus wurde er jedoch zum Feind der böhmischen Nation erklärt. Mit dem ersten Prager Fenstersturz im Neustädter Rathaus brach der Aufstand gegen die Deutschen aus. Sie wurden aus dem Land vertrieben und ihr Besitz wurde konfisziert. Getragen wurde der Aufstand von den Hussiten. Sie forderten vor allem die Armut des Klerus, die Freiheit der Predigt, die Austeilung von Brot und Wein auch an Laien ("Laienkelch") und, wohl am wichtigsten, einen Nationalstaat der Tschechen. Ein Angriff von Sigismund auf Prag schlug fehl und die Hussiten gingen unvermittelt zum Gegenangriff über: Ihre Truppen zogen sengend und mordend durch Böhmen und Mähren, durch Österreich, Ungarn, Bayern, Sachsen, Schlesien und Brandenburg. Mehrmals gelang es ihnen, Reichsheere vernichtend zu schlagen.
1432 verhandelte ein Konzil in Basel schliesslich mit den hussitischen Führern und spaltete dabei die Bewegung in die vom Adel unterstützten Utraquisten und die radikalen bäuerlichen Taboriten. Die Utraquisten gingen einen Kompromiss ein, die Taboriten kämpften unter ihren Feldherren Prokop dem Grossen und Prokop dem Kleinen weiter, bis sie 1434 in der Schlacht von Lipany von den vereinigten Katholiken und Utraquisten besiegt wurden. Aus den fast 20 jährigen Hussitenkriegen gingen somit die tschechischen Utraquisten als Sieger hervor. Die Hussitenkriege hatten die Macht der katholischen Kirche in Böhmen gebrochen, die Deutschen wurden in die Randzonen des Landes gedrängt. Die Forderung nach einem tschechischen Nationalstaat blieb zwar unverwirklicht, das Nationalbewusstsein wurde jedoch gestärkt.
Die Hussitenkriege brachten eine Schwächung der böhmischen Krone mit sich. Zwar war mit Georg von Podiebrad (regierte 1458-1471) noch einmal ein böhmischer Adliger Träger der Wenzelkrone. Aber nach ihm kämpften die polnischen Jagiellonen und Ungarn um deren Besitz, und ab 1526 war sie für die nächsten vier Jahrhunderte fest in den Händen der Habsburger.
Worterklärungen und Begriffe
Erster Prager Fenstersturz
Als eine hussitische Prozession am 30. Juli 1419 die Stephanskirche in der Prager Neustadt besetzte und der Stadtrat die Freilassung verhafteter Anhänger verweigerte, wurde das Neustädter Rathaus gestürmt und 13 Ratsherren (zur Hälfte Deutsche) aus dem Fenster in die Spiesse der unten tobenden Menge geworfen. Sie kamen also nicht so glimplich davon wie die Opfer des zweiten Prager Fenstersturzes, der den 30jährigen Krieg auslöste.
Klerus
Katholische Geistlichkeit, Priesterschaft
Laienkelch
Austeilung von Brot und Wein während der Messe nicht nur an die Priesterschaft, sonder auch an Laien
Konzil
Versammlung von Bischöfen und anderen hohen Vertretern der katholischen Kirche zur Erledigung wichtiger kirchlicher Angelegenheiten.
Hussiten
Anhänger des Jan Hus
1432 gespalten in Utraquisten und Taboriten
Utraquisten
Vom Adel unterstützter Teil der Hussiten, der 1432 einen Kompromiss mit dem Konzil in Basel einging. In dem Kompromiss wurde die zentrale theologische Forderung, die Austeilung des Laienkelches in der Messe, erfüllt.
Taboriten
Radikaler, bäuerlicher Teil der Hussiten, der 1432 nicht auf den Kompromiss des Konzils in Basel einging und weiterhin um ihr utopisches Ziel kämpften.
Personen
Wenzel IV (1378-1419)
Sohn von Karl IV, König von Böhmen bis 1419
Prokop der Grosse und Prokop der Kleine
Feldherren der Taboriten in den Hussitenkriegen
John Wyclif (1320-1384)
John Wyclif war ein englischer Kirchenreformator
Der Oxforder Theologieprofessor ging aus theologischen Gründen gegen den unvorstellbaren Reichtum der Kirche und den Papst vor.
Sigismund
Deutscher König (1410/1411) und Kaiser (1433), Sohn von Karl IV
Sigismund bemühte sich um die kirchliche Einheit durch Einberufung des Konstanzer Konzils (1414/1418) und musste schwere Kämpfe gegen die Hussiten bestehen.
Georg von Podiebrad (1420- 1471)
Führer der utraquistischen Hussiten
1458 zum König von Böhmen gewählt
Quelle: Wikipedia
Letzte Änderung am Sonntag, 22. Januar 2012 um 18:20:21 Uhr.